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Jüdisches Leben in Oberhessen – Von der Reformation bis zur Emanzipation

Vortrag des ehemaligen Leiters des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt Prof. Dr. Friedrich Battenberg .

Veranstaltungsort: 
Datum: 
Freitag, 22. Januar 2016 - 18:00
Rubrik: 

Anlass ist die bevorstehende Verlegung der ersten elf »Stolpersteine« durch den Künstler Gunter Demnig in Hungen zur Erinnerung an die Opfer des Nazi-Regimes. Die Verlegung findet am am 23. März 2016 um 9 Uhr in der Obertorstraße statt. Seit dem Mittelalter siedelten Juden in Oberhessen. Sie waren weitgehend konzentriert in der Reichsstadt Friedberg, aber auch schon früh in den solmschen Grafschaften und damit auch in Hungen. Als Schutzjuden standen sie unter dem Schutz des Kaisers, aber auch der Grafen und unterschiedlicher Schutzherren. Sie wurden vielfach diskriminiert und angefeindet, standen aber auch über lange Zeit in guten geschäftlichen und nachbarschaftlichen Kontakten mit der christlichen Umwelt. Die protestantische Geistlichkeit stand den Juden mit Misstrauen gegenüber, während die Landesherren sie eher unterstützten, um wirtschaftlichen Nutzen aus ihnen zu ziehen. Die Hungener Juden spielten im 17. und 18. Jahrhundert vor allem in der Solms-braunfelsischen Landjudenschaft eine führende Rolle. Doch erst in der Zeit der Aufklärung verbesserte sich die Situation der oberhessischen Juden, die nun allmählich emanzipiert wurden und schließlich zu formal gleichberechtigten Mitgliedern der neu formierten bürgerlichen Gesellschaft wurden.

  • Prof. Dr. Friedrich Battenberg, Jahrgang 1946, studierte Rechtswissenschaft in Frankfurt/Main und wurde mit einer Arbeit über die Gerichtsbarkeit des Reichshofgerichts im Mittelalter promoviert. Von 1976 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2011 war er am Hessischen Staatsarchiv tätig, seit 1997 als dessen Leiter. 1984 habilitierte er sich an der TU Darmstadt in Mittelalterlicher und Neuerer Geschichte und wurde dort 1990 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge und Bücher zur Geschichte der Juden in Deutschland und ist Mitglied in verschiedenen Gremien, so u.a. im Evenari-Forum für deutsch-jüdische Studien an der TU Darmstadt.
  • Der Künstler Gunter Demnig, der am 23. März 2016 um 9 Uhr die ersten »Stolpersteine« in der Obertorstraße Hungen verlegen wird, erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort kleine Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen diese »Stolpersteine« in über 1000 Orten in Deutschland und in zwanzig Ländern Europas. Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines »Stolpersteins« übernehmen. »Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«, zitiert Gunter Demnig den Talmud. »Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.«
  • Die Hungener Arbeitsgruppe »Spurensuche« wurde 1988 gegründet. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, in die Geschichte der Hungener Juden mehr Licht zu bringen. Zunächst setzte sie sich für das Denkmal beim Jüdischen Friedhof, das im Jahr 1990 errichtet wurde, ein und die Nennung der Namen aller bekannten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Großgemeinde Hungen. In den vergangenen Jahren hat die AG Spurensuche mehrere Publikationen herausgegeben. Darüber hinaus organisiert sie seit 1990 jährlich am Pogromtag, dem 10. November in Hungen, eine Gedenkveranstaltung beim Denkmal am Jüdischen Friedhof. In den letzten Jahren gestaltete sie diese Gedenkveranstaltung gemeinsam mit der Stadt und der Gesamtschule Hungen. Seit 2009 wird auf Anregung der AG Spurensuche an der Gesamtschule ein Wahlpflichtunterricht zur jüdischen Geschichte angeboten.

Die Stadt Hungen, deren Magistrat und Stadtverordnetenversammlung der Verlegung der »Stolpersteine« einstimmig zugestimmt haben, stellt Spendenbescheinigungen für die Patenschaften aus. Für die Herstellung jedes Steins müssen 120 Euro auf das Konto der Stadtkasse überwiesen werden. Sparkasse Laubach-Hungen IBAN: DE71 5135 2227 0001 0004 39 BIC: HELADEF1LAU Stichwort: »Stolpersteine«. Für die Zustellung der Spendenbescheinigung bitte die vollständige Adresse auf dem Überweisungsschein angeben.

(Quelle: Veranstalter)

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